Wenn du an der türkischen Riviera baden gehst, schwimmst du in einem Meer, das schon die Lykier und Griechen vor 2.500 Jahren befuhren. An Land sind die Spuren dieser Zivilisationen oft erstaunlich gut erhalten – manchmal so, dass du dich fragst, warum diese Orte nicht weltberühmt sind. Sechs Stätten, die du auf einer Riviera-Reise gesehen haben solltest.

Aspendos – Das besterhaltene römische Theater der Welt

Etwa 45 km östlich von Antalya gelegen, ist das Theater von Aspendos aus dem 2. Jahrhundert n. Chr. so gut erhalten, dass dort heute noch Aufführungen stattfinden – jeden Sommer das Aspendos Opera & Ballet Festival. 15.000 Zuschauer fassen die Sitzreihen, die Akustik ist legendär. Setz dich in die oberste Reihe und lass jemanden unten flüstern – du wirst es hören. Eintritt ca. 25 Euro. Plane 2-3 Stunden ein, auch für das angrenzende Aquädukt.

Perge – Die vergessene Großstadt

Nur 17 km östlich von Antalya, aber von Touristen oft links liegen gelassen. Perge war eine der wichtigsten Städte Pamphyliens, gegründet etwa 1.000 v. Chr. Du läufst durch eine komplette antike Stadt: das Stadttor mit den hellenistischen Türmen, die Säulenstraße mit Wasserkanal in der Mitte, das Stadion (12.000 Plätze) und ein riesiges Theater. Die Marmorarbeiten und Statuen, die hier gefunden wurden, füllen ein eigenes Stockwerk im Archäologischen Museum von Antalya. Ein halber Tag, ca. 15 Euro Eintritt.

Side – Antike mitten im Strandresort

Side ist heute ein Touristenort, aber die Altstadt steht direkt auf den Ruinen der antiken Stadt. Du läufst durch die Fußgängerzone, isst Eis – und neben dir ragen die Säulen des Apollontempels in den Himmel, am Ende der Halbinsel, direkt am Meer. Bei Sonnenuntergang einer der schönsten Plätze der Riviera. Ebenfalls in Side: ein riesiges antikes Theater (Eintritt ca. 12 Euro), die Agora und ein interessantes Museum in einer ehemaligen römischen Therme.

Termessos – Adlerhorst in den Bergen

Wenn du nur eine Stätte besuchst, dann diese. Termessos liegt auf 1.000 Metern Höhe im Taurus-Gebirge, eingebettet in einen Nationalpark. Die Stadt wurde nie von Alexander dem Großen erobert – er nannte sie „Adlerhorst" und zog weiter. Du erreichst die Ruinen über einen 30-minütigen Aufstieg durch Pinienwald. Oben angekommen siehst du ein Theater, dessen Bühne 1.000 Meter über dem Tal schwebt, antike Zisternen, ein Gymnasium und Hunderte Felsgräber. Wenig touristisch, viel Atmosphäre. Festes Schuhwerk, Wasser mitbringen.

Olympos und Chimaira – Mythos und Feuer

In der Nähe von Çıralı liegen die Ruinen der antiken Stadt Olympos, eingewachsen von Oleander und Pinien. Die Atmosphäre ist anders als in Perge oder Side – wilder, romantischer, du fühlst dich wie ein Entdecker des 19. Jahrhunderts. Direkt oberhalb von Olympos brennen die ewigen Flammen der Chimaira: aus dem Felsen austretendes Erdgas, das seit der Antike kontinuierlich brennt. In der Mythologie war hier die Höhle eines feuerspeienden Ungeheuers. Wandere bei Sonnenuntergang hoch, der Anblick ist surreal.

Patara – Die Wiege der westlichen Welt

Etwa 200 km westlich von Antalya, am östlichen Ende des Patara-Strands, liegt die antike Stadt Patara. Hier wurde der Heilige Nikolaus geboren (der echte, nicht der mit Rentier). Hier stand das Parlament des Lykischen Bundes – einer Demokratie, die Vorbild für die Verfassung der USA war (so steht es im US Federalist Papers Nr. 16). Du kannst durch das wiederaufgebaute Parlamentsgebäude wandern, dann den Hügel hinunter zum Strand laufen – und auf dem Weg auf einen 18-Kilometer-Sandstrand stoßen. Eintritt deckt beides ab: Ruinen und Strand.

Die türkische Riviera ist eines der dichtesten archäologischen Gebiete des Mittelmeerraums. Wer die Region nur als Strand-Destination behandelt, verpasst die Hälfte. Plane für jede deiner Stationen mindestens eine antike Stätte ein – die Kombination aus Schwimmen im Mittelmeer und Wandern durch römische Theater ist das, was die türkische Küste so besonders macht.